Was haben Bogenschiessen und Zen Meditation miteinander zu tun?

Bogenschiessen und ZEN vereint zwei Meditationstechniken zu einem besonderen Achtsamkeitstraining. Dabei wechseln sich das stille Meditieren auf dem Kissen und das bewegte Meditieren beim Bogenschiessen ab. Das Sitzen ist keine Vorbereitung auf das Schiessen. Wir sitzen nicht, um besser zu treffen. Wir sitzen, um zu sitzen. Und wir schiessen, um zu schiessen.

Ich habe auf meiner Webseite verschiedene Angebote «Zen und Bogenschiessen». Zum einen ist da einmal im Monat am Freitagabend das zweistündige Zazen im Rock’n’Bow in Eglisau. Zum anderen das mehrtägige Zazenkai im Schwarzwald (1 Stunde ab Zürich). Beide Meditationsangebote haben die gleiche Struktur: Wir sitzen. Und wir schiessen. Wir schiessen. Und wir sitzen.

Beim Zazen sitzen wir 3 x 20 Minuten und schiessen danach 3 x 20 Minuten. Dazwischen gibt es jeweils 5 Minuten Gehmeditation. Beim Zazenkai dauern die Einheiten länger: Wir sitzen 3 x 25 Minuten unterbrochen von jeweils 5 Minuten Gehmeditation. Anschliessend schiessen wir während 90 Minuten. Diesen Ablauf wiederholen wir 2 x pro Tag. Teilnehmen können bei beiden Angeboten alle, die sich für Zen Meditation und intuitives Bogenschiessen interessieren. Anfänger:innen sind herzlich willkommen. Beim Zazen am Freitagabend gibt es jeweils eine viertelstündige Einführung für alle, die zum ersten Mal dabei sind. Beim Zazenkai im Schwarzwald findet die Einführung am ersten Abend statt.

Der Weg ist das Ziel

Auf den ersten Blick haben Zen und Bogenschiessen wenig bis gar nichts miteinander zu tun. Der Begriff «Zen» leitet sich vom Sanskrit ab und bedeutet «Meditation» oder «Versenkung». Bei der Zen Meditation sitzen wir möglichst gerade auf einem Kissen. Wir schauen in der Regel eine Wand an und versuchen, unserem Atem zu folgen und so zu einem Zustand der Gedankenleere zu kommen. Respektive, die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen zu lassen. Nach 25 Minuten erklingt ein Gong, wir stehen auf und gehen achtsam durch den Raum. Danach setzen wir uns wieder für 25 Minuten aufrecht auf unser Kissen. Beim Bogenschiessen stehen wir, ziehen die Sehne aus und lassen unsere Pfeile bewusst los.

Die Endung «do» bedeutet im Japanischen «Weg». Der «Weg» spielt in der japanischen Kultur eine wichtige Rolle. Das Spektrum reicht von der Blumensteckkunst (華道 Kadô) über die Duftzeremonie (香道 Kôdô) und der Kalligraphie (書道 Shodô) bis zur Teezeremonie (茶道 Sadô). Die Kampfkünste werden unter dem Oberbegriff (武道 Budô) zusammengefasst. Zu ihnen gehören unter anderem das Schwertfechten (剣道 Kendô) und das Bogenschiessen (弓道 Kyûdô).

Kyūdō – der Bogenweg

Der Bogenweg wird Kyūdō genannt. Allein schon das Auspacken des Bogens und das Spannen der Sehne sind ein streng reglementiertes Ritual, das die meisten Europäer:innen an den Rand der Verzweiflung treibt. Nicht minder anspruchsvoll ist das Einlaufen und das Aufstellen zum Schiessen (in der Regel fünf Personen nebeneinander). Wie bei vielen japanischen Kampfkünsten werden die Fertigkeiten in Dan ( 段) gemessen. Auf Deutsch bedeutet Dan Abschnitt, Rang oder Stufe. Der erste Dan wird Shodan (初段) genannt. Der 10. Grad Jūdan (十段). Das Bewertungssystem wurde im 17. Jahrhunderts eingeführt. Im 19. Jahrhundert hat es der Begründer des Judo, Kanō Jigorō, für den Kampfsport übernommen.

Je ausgeprägter die Fertigkeiten, desto höher der Dan. Theoretisch wäre ein 10. Dan möglich. Praktisch ist das so gut wie unerreichbar. Erst recht für Europäer:innen. Wer in unseren Breitengraden den 5. oder gar 6. Dan erreicht, ist bereits absolute Spitzenklasse. Einen höheren Dan erreicht man beim Kyūdō nicht, in dem man möglichst viele Pfeile in die Mitte des «Mato», also der Zielscheibe schiesst. Entscheidend ist der vollendete Bewegungsablauf. Und den üben die Kyūdōka (弓道家) stundenlang vor dem Spiegel. Weitere Informationen zu Kyūdō findest du auf der Webseite des schweizerischen Kyūdō-Verbandes.

Kyūdō – Geschichte

Der Weg des Bogens, Kyūdō (弓道) ist eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden. Als Pfeil und Bogen bei der Kriegsführung immer mehr von Gewehren, Kanonen und Pistolen verdrängt wurden, haben einige japanische Zen-Mönche das Bogenschiessen als geistige und körperliche Disziplin beibehalten. Im Unterschied zum westlichen Bogenschiessen geht es bei Kyūdō nicht primär darum, das Ziel zu treffen. Sondern darum, durch geistiges und körperliches Training und Konzentration auf den Akt des Schiessens einen Zustand vollständiger Gelassenheit und Konzentration zu erreichen.

Während der Edo-Zeit (1603–1868) wechselten viele Samurai in den Verwaltungsdienst. Die traditionellen Kampfkünste genossen aber nach wie vor hohes Ansehen. In dieser Zeit wurde das Bogenschiessen zu einer «zivilen» Kunst, die unter anderem am Hof in zeremonieller Form sowie an verschiedenen Wettkämpfen praktiziert wurde. So verbreitete sich das Bogenschiessen ausserhalb der Kriegerklasse. Die verwendeten Bögen werden «Yumi» genannt. Sie sind mit 2,21 Meter die längsten der Welt und in der Regel deutlich grösser als die schiessende Person.

Meditatives Bogenschiessen

In Europa hat sich neben dem traditionellen Kyūdō eine weitere Form des meditativen Bogenschiessens etabliert: Das Zen Bogenschiessen, auch meditatives Bogenschiessen genannt. Wegbereiter für diese Form des Bogenschiessens war der Philosophieprofessor Eugen Herrigel (1884 bis 1955). Er brachte den Zen-Buddhismus und das Bogenschiessen in den Westen. Sein Buch «Zen in der Kunst des Bogenschiessens» ist ein Klassiker der Zen-Literatur. Klappentext: «Wie kaum ein anderer Europäer ist Eugen Herrigel nicht nur intellektuell, sondern auch durch eigene Erfahrung in den Geist und die Praxis des Zen eingedrungen. Mit seinem weltweit bekannten ‘Zen in der Kunst des Bogenschiessens’ hat er einen Klassiker der westlichen Zen-Literatur geschaffen, dessen Lektüre zu einem Schlüsselerlebnis für zahllose Künstler, Intellektuelle und Suchende auf dem geistigen Weg geworden ist.

«Bogenschiessen und Zen» im Rock’n’Bow in Eglisau und im Schwarzwald verbindet das klassische Bogenschiessen mit der Spiritualität des Kyūdōo. Wir praktizieren zwar kein Kyūdō-Ritual. Aber wir halten uns an eine bestimmte Form. Zu dieser Form gehört die Atmung, der Bewegungsablauf und der Stand. Der Ablauf ist weniger komplex als im Kyūdō. Trotzdem braucht es viel Achtsamkeit und Konzentration, um die Bewegungen ruhig und gelassen durchzuführen und den Pfeil am Ende in vollkommener Harmonie loszulassen.

Was ist der Weg des Zen?

Der Zenweg ist der eigene Weg, den ein Mensch geht. Unabhängig von dem, was andere sagen oder behaupten. Beim Zen geht es also nicht darum, den Lehren oder Worten einer Meisterin oder eines Meisters zu folgen.

1. Achtsamkeit
Zen bedeutet, im Augenblick zu leben und den Augenblick bewusst wahrzunehmen. Wichtig: Das Erlebte wird nur wahrgenommen und nicht beurteilt.

2. Geist
Zen bedeutet, die Gedanken zur Ruhe zu bringen. Am besten gelingt das, wenn wir uns bei der Meditation auf den Atem konzentrieren.

3. Handlung
Zen bedeutet, eins zu werden mit den eigenen Handlungen und diese Handlungen bewusst und ohne Effekthascherei auszuführen.

4. Loslassen
Zen bedeutet, das zu tun, was der Augenblick verlangt – und nicht schon an den nächsten Schritt zu denken.

5.Meditation
Die Meditation steht im Mittelpunkt der Praxis. Der Begriff „Zen“ leitet sich vom Sanskrit ab und bedeutet „Meditation“ oder „Versenkung“.

Im Augenblick sitzen; im Augenblick schiessen

Bei der Zen-Meditation sitzen wir auf dem Kissen, ohne etwas erreichen oder festhalten zu wollen. Wir nehmen wahr, ohne das Wahrgenommene zu analysieren oder zu bewerten. Wir richten unsere ganze Aufmerksamkeit auf das, was in diesem Augenblick ist. So einfach ist das. Und doch so schwierig. Das Sitzen ist keine Vorbereitung auf das Schiessen! Wir sitzen nicht, um uns zu fokussieren, zu konzentrieren und zu sammeln und danach besser zu schiessen. Wir sitzen, um zu sitzen. Und wir schiessen, um zu schiessen. Besonders wichtig: wir schweigen! Sowohl beim Sitzen wie beim Schiessen. Wir schiessen genauso wie wir sitzen: unaufgeregt. Der Ablauf dauert +/- 40 Sekunden. Das Schiessen am Ende der Bewegung ist die logische Folge der Bewegung. Wir zielen nicht mehr und wir korrigieren nicht mehr. Wir haben alles getan, was für diesen Schuss notwendig ist. Dementsprechend lassen wir los. Zügig. Und unaufgeregt.

Wir machen aus unseren Schüssen keinen Showact und nehmen Fehlschüsse ohne grosse Aufregung zur Kenntnis. Das klingt einfach. Ist aber ziemlich schwer. In unserer heutigen Zeit dreht sich alles um Austausch und Kommunikation: Wir werden darauf getrimmt, alles zu bewerten und zu kommentieren. Das machen wir beim Zen Bogenschiessen nicht. Wir analysieren nicht. Wir bewerten nicht. Und wir diskutieren nicht. Wir sitzen. Und schiessen. Schiessen. Und sitzen. Das ist alles.

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«Es war eine tolle Erfahrung, die mir einen unaufgeregten, tiefgehenden Blick in den Spiegel ermöglichte.»
Nicola Oßwald

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