Amor und seine Pfeile

Amor ist neben Robin Hood der bekannteste Bogenschütze überhaupt. Wer von Amors goldenem Pfeil getroffen wird, ist auf der Stelle verliebt und hat absolut keine Chance, sich gegen die aufkommenden Gefühle zu wehren. Doch Amor hat auch Pfeile aus Blei in seinem Köcher. Wer einen solchen Pfeil abbekommt, hat weniger Glück: Seine Spitzen bewirken das Gegenteil von Liebe und löschen jedes Begehren. 

Amor ist in der römischen Mythologie der Gott der Liebe. Oder genauer gesagt: der Gott des «Sich-Verliebens». Er ist der jüngste Gott und sieht deshalb wie ein Knabe mit goldenen Locken und roten Pausbacken aus. Amor hat stets Köcher und Pfeile bei sich und ist somit leicht zu erkennen. Seine Lieblingsbeschäftigung ist Bogenschiessen. Ausser auf Menschen schiesst er gerne auch auf Götter. Bei seinen Schüssen zielt er grundsätzlich auf das Herz. Dabei stehen ihm zwei verschiedene Pfeile zur Auswahl: solche mit goldenen Spitzen und solche mit Spitzen aus Blei. Trifft er mit dem goldenen Pfeil, ist die getroffene Person auf der Stelle verliebt. Da kann die Rüstung oder der Schutzschild noch so gross und noch so schwer sein.

Schon die Römer wussten: «Omnia vincit amor» – «Die Liebe besiegt alles». Im 13. und 14. Jahrhundert war der Spruch buchstäblich in aller Munde und wurde von Minnesängern und Rittern gerne und oft von sich gegeben. Trotz der durchschlagenden Kraft der Liebe wurde Amors Wirken bereits in der Antike auch kritisch gesehen. Denn auch in der Antike mussten Menschen schmerzlich erfahren, dass nicht jede Liebe erwidert wird. Und das ist das Perfide an Amors Pfeilen: Landet er mit dem zweiten Pfeil einen Fehlschuss, ist nur eine Person verliebt und die andere nicht. Und das kann, wie wir alle wissen, fatale Folgen haben. Für seine (geplanten!) Fehlschüsse verwendet Amor Pfeile mit Spitzen aus Blei – anstelle der Pfeile mit goldenen Spitzen.

Unterschiedliche Eltern

Amor ist das Resultat einer der zahlreichen Affären, die Venus, die Göttin der Liebe, mit Mars, dem Gott des Krieges, hatte. Der Liebesgott hat also höchst unterschiedliche Eltern. Kein Wunder, wurde aus Amor ein richtiger kleiner Schelm, der mit den Göttern und den Menschen allerlei Schabernack treibt. Bei der Beschreibung von Amor liessen sich die Römer, wie bei vielen anderen Göttern auch, von den Griechen inspirieren. Sowohl bei den Griechen (Eros) wie bei den Römern (Amor) ist der Gott der Liebe eine Personifikation des abstrakten Begriffs «Liebe».

Die Römer kannten den griechischen Gott Eros bereits im 5. Jahrhundert vor Christus. So ist Eros zum Beispiel zusammen mit Ganymed und Jupiter auf einem Vorratsgefäss aus dem 4. Jahrhundert vor Christus zu sehen. Ganymed ist der Sohn des trojanischen Königs Tros und von Kallirrhoë. Seine Brüder heissen Assarakos und Ilos, seine Schwester Kleopatra. In der Literatur wurde Amor zum ersten Mal in der Komödie Gymansticus des römischen Dichters und Epikers Gnaeus Naevius (* um 265 vor Christus in Kampanien; † um 201 vor Christus in Utica, Nordafrika) erwähnt.

Amor schiesst auf Götter

Amor schiesst mit seinen Pfeilen nicht nur auf Menschen – auch die Götter sind nicht vor ihm sicher. Da gibt es zum Beispiel die Geschichte von Apollon und Daphne: Apollon, der Gott der Dichtung, Kunst, Musik und Sonne, war ebenfalls ein talentierter Bogenschütze und bedrohte Amor. Der Gott der Liebe fackelte nicht lange und schoss kurzerhand einen goldenen Pfeil in das Herz von Apollon. Darauf verliebte sich der junge Gott unsterblich in die schöne Nymphe Daphne. Diese wurde aber von Amor mit einem Bleipfeil bedacht und hatte nichts als Verachtung für Apollon übrig. Ein eindrücklicher Beweis dafür, dass Amor auch ganz schön berechnend und gemein sein kann.

Die Liebe kann mit einem Flügelschlag zu Ende sein. Dafür stehen die Flügel von Amor. Es kann sein, dass das Verlangen früher oder später verfliegt oder dass sich eine Person in der Liebe eingeengt fühlt und zu einem weiteren Partner fliegen möchte. Diese Dualität, die Amor ursprünglich verkörperte, hat sich im Laufe der Zeit verwässert. Heute ist Amor nur noch ein Symbol für Liebe und rosarote Wolken. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die katholische Kirche. Sie hat den heidnischen Gott in eine christliche Version konvertiert. Dass Amor verwerfliche Gefühle wie Begehren und Verlangen auslösen konnte, war der auf Reinheit bedachten Institution ein Dorn im Auge. Und so wurden Amor die sündhaften Fähigkeiten kurzerhand aberkannt und der schelmische Gott der Liebe zu einem braven und biederen Symbol für Ehe und Treue gemacht.

Amor und Psyche

Und Amor selbst? War er auch einmal verliebt? Was auf den ersten Blick unmöglich erscheint, ist tatsächlich eingetroffen: Amor hat sich selbst einen Pfeil ins Herz geschossen. Behauptet zumindest der Redner, Philosoph und Schriftsteller Apuleius (* 124 nach Christus) in seinem Werk «Metamorphose». Der Heldenroman umfasst elf Bücher. Darunter auch die Erzählung «Amor und Psyche». Die Geschichte ist als Buch und als Hörbuch erhältlich und kann sogar auf Spotify angehört werden.

Die Königstochter Psyche war für ihre unglaubliche Schönheit bekannt und berühmt. Das war Venus, der Göttin der Schönheit, ein Dorn im Auge. Sie schickte ihren Sohn Amor auf die Erde. Sein Auftrag: Psyche mit einem Pfeil zu treffen, damit sie sich in einen schrecklichen Dämon verliebt. Doch Amor war von ihrer Schönheit geblendet und verliebte sich auf der Stelle in Psyche. Er versteckte seine Angebetete in einem Schloss, wo er sie jede Nacht besuchte. Als Venus vom Ungehorsam ihres Sohnes erfuhr, war sie ausser sich. Sie suchte Psyche auf und das schöne Mädchen musste sich einer Reihe gefährlicher Aufgaben stellen.

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